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Architektur und Gemüse 8

Netze


Die Verpackungsnetze für Zitrusfrüchte sind farbcodiert. Die flachen, transparenten Plastikschalen, in denen wahrscheinlich auch meine Rispentomaten geruht haben, sind nicht nur am Boden gelocht, sondern auch an den Seiten. Nur so lassen sich Gemüse und Früchte schnell und bis in die Mitte der Verpackung gleichmäßig runterkühlen. „Denken Sie an Trauben, die würden sofort verderben...!“ Wie ein vielarmiger Krake breitet sich in den Hallen der Messe eine umfassende Ernährungsindustrie aus, die sich sonst nur in einem Lebensmittel-Supermarkt oder vielleicht auch noch an den LKWs auf der Straße zeigt. Salat, der am Restauranttisch wächst? Kein Problem. Die  Anzucht der Stecklinge im Gewächshaus - gepaart mit Fischzucht? Alles kein Problem. Im ländlichen Raum entstehen Hybride, die für Design und Planung interessante Optionen bieten und deshalb als dekoratives Beiwerk in das urbane Umfeld diffundieren. Ach, die Zukunft ist schön! Ich gerate mit jedem Schritt, der mich in die Tiefen der Hallen führt, weiter in eine den Architekten und Regionalplanern weitgehend unerschlossene Wunderwelt der landwirtschaftlichen Produktion, voll von Ideen und Geschäftsmodellen. Diese Welt entwickelt keine räumlichen Vorstellung, hat aber massiven Einfluss auf den Raum, darauf, wie er aussieht, genutzt und wahrgenommen wird.

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